Ein Jahr mit-ohne Felix

was uns im ersten jahr geholfen hat

hinsehen
beistehen
mitgehen

worte finden
oder keine
und das dann sagen

da sein
auch wenn man eigentlich
viel zu weit weg ist

einfach vorbei kommen
etwas an der tür lassen
oder herein bringen

bücher
blumen
nähe und essen, viel essen

käsesuppe
im bauch
und auf dem krankenhaus-flur

zusammen sein
singen und beten
und brot brechen

weinen und lachen, auch am grab
klagen und hoffen und
schweigen

die schlimme nachricht weitersagen
und das leere bett und die tränen
verwahren

wuseln und waschen
weil der baum nicht da ist
zum fällen

einen baum pflanzen
weil der tod
nicht zuletzt spricht

häkeln und nähen
bügeln und basteln
stärken

bilder zeichnen, machen, malen
mit linse, tastatur
und worten

mit farben
auf papier
und auf dem erdenholz

ein lied leihen 
für uns singen und beten
von allen seiten um uns herum

felix sarg sanft und sicher halten
ein stück mittragen
an unserem un-glück

die eigene tür öffnen
im haus und im herzen
unbekannte und fernes nah sein lassen

uns lassen
unsere klage, unsere geschichte
und eine rote jacke

ein licht anzünden
zum grab gehen
gemeinsam und wieder und wieder

einander aushalten
und zumuten
den fremden schmerz und das eigene glück

fragen
auch wenn die zeit
längst anders und fast schon wie vergangen scheint

das und so vieles mehr
hat unser erstes jahr voll vermissen
schön gemacht und reich.

danke.

© Andrea Kuhla