Klage nach der Beerdigung eines Kindes

Heute trägt meine Seele Schwarz, G*tt, 
ein Kleid aus Leid 
das mich umhüllt 
und mein leer geweintes Herz. 

Es fühlt sich taub an 
kaum eine Träne mehr in mir 
und wollen doch nicht versiegen
rinnen unsichtbar über meine Wangen. 

Still stehen soll die Welt 
und schweigen, G*tt,
hören soll sie, 
dass sich mein Leben 
von nun an nie wieder 
einfach so weiterdreht: 

Zu groß mein Kummer 
zu tief mein Schmerz 
über das Für-immer-anders 
und das Niemals-so-sein-können. 

Meine Hand voll Erde  
habe ich losgelassen 
und mit ihr all meine Hoffnung, 
die wie ein bunter Ballon 
in den Himmel steigt 
zu dir 
nur ein Fünkchen  
halt ich  
fest hier bei mir: 

Einmal werden wir uns wiedersehen 
da werde ich mein Kind im Arm halten 
und nie mehr hergeben müssen. 
Es muss so sein, G*tt, 
hörst du? 

Bis dahin  
finde mich 
bitte, G*tt, 
an den Klippen meines Lebens
und den Rändern meines Herzens. 
Geh nicht. 
Bleib. 
Und halt das mit mir aus. 

Amen 

© Andrea Kuhla